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Impuls zum 24. Mai 2026

Zum Pfingstsonntag

Von Klaus Hagedorn (Oldenburg), pax christi-Kommission Aktive Gewaltfreiheit und pax christi Münster

„Habt Mut – Steht auf“
Vorneweg: Der Geist, der lebendig macht - von Hans Dieter Hüsch
Der Heilige Geist ist unsichtbar.
Und der Heilige Geist ist nicht nur unsichtbar.
Der ist oft auch nicht erkennbar,
denn seine Welt ist fassungslos,
teilweise sogar sprachenlos,
für viele sogar aussichtslos.
Er ist von wolkenloser Musikalität
und wenn man ihn wiegen könnte - 
ganz leicht – und deshalb so schwierig.
Je leichter der Heilige Geist,
desto mehr steckt in ihm. …
Ich will nicht sagen, dass er immer bei uns ist, 
wie man wohl in manchen Vorträgen hört. 
Wie oft hat er uns verlassen, der Heilige Geist,
das heißt eigentlich: wir haben ihn verlassen.
Wie oft hat er es uns schwer gemacht,
das heißt, wir haben es ihm schwer gemacht;
und es gibt ja auch Tage bei uns,
wo wir ihn wirklich nicht spüren mit unserem kleinen Menschenglauben,
wo wir ihn uns jedes Mal aufs Neue erfühlen müssen
und glücklich sind,
wenn das Schwere plötzlich in uns abfällt,
und der Geist hier in uns und bei uns ist und Probleme sich aus dem Staub machen,
und die Menschen wieder anfangen zu lächeln. …
Der Heilige Geist ist leicht. 
Er ist in der Welt, dass wir zuversichtlich sind,
dass wir uns freuen,
dass wir aufrecht gehen ohne Hochmut;
dass wir jedem die Hand reichen ohne Hintergedanken
und im Namen Gottes  Geschwister sind in allen Teilen der Welt. Amen.

aus: Hans Dieter Hüsch, Das Schwere leicht gesagt, Freiburg 1997, 80-82

Das Evangelium vom Tag: Johannes 20,19-23
Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten. 
„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“ oder: „Hab Mut, steh auf!“ 
In der Bibelstelle zur Begegnung der zurückgezogen-ängstlichen Jünger mit dem nachösterlichen Jesus wird diesen nicht einfach nur Mut zugesprochen, sondern Frieden – dies gleich zweimal! Dieser Frieden ist angesichts erfahrener Bedrohung zunächst nichts anderes als ein Zuspruch, als eine Zusage für eine Art inneren Frieden, der nicht verzweifeln und in Dunkelheit versinken lässt. Es geht um glaubende Gelassenheit, angesichts drohender Gefahren nicht in Angst und Mutlosigkeit zu verharren und dicht zu machen. Es geht darum, furchtlos die Dinge zu betrachten und zu prüfen und sodann klug und mutig den „nächsten“ Schritt zu setzen. Es geht darum, jeglicher Passivität durch gespürte Ohnmacht und jeglichem Dichtmachen zu widerstehen. 

Abschottung und Zurückgezogenheit sind oft ja auch Erfahrungen von „Tod“ innerhalb des Lebens.  Dem von Jesus zugesprochenen Frieden geht es darum, sich solchen Erfahrungen von Tod zu Lebzeiten, also „vor der Zeit“ zu verweigern. Mit der Zusage des Friedens werden auch wir zu einem neuen Aufbrechen motiviert, zu einem Alternativkonzept gegenüber jenen Mechanismen, in denen Menschen sich gegenseitig ängstigen, ausschließen, abwerten und schließlich auch töten. Wir sollen ein Statement gegen einen „Tod im Leben“ sein, indem wir neu „auf Sendung“ gehen. 

„Man bekennt seinen Glauben nicht“, so Fulbert Steffensky in seiner Schrift „Gewagter Glaube“, „indem man fast kostenlos und folgenlos einen bestimmten überlieferten Text im Gottesdienst spricht oder singt. Bekennen ist ein Wort aus den Gefahrenbereichen. Es richtet sich gegen etwas, es tritt ein für etwas, es kostet etwas.“ 

Ist solches nicht gemeint, wenn der Evangelist Johannes Jesus sagen lässt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“? Heißt das nicht letztlich auch: „Hab Mut, steh auf!“ – Das Katholikentags-Motto 2026, das allüberall in Würzburg zu hören, zu sehen und zu lesen war?

Unser Planet steht in Flammen an vielen Orten der Welt. Gefahren sind im Verzug. Ohnmacht und Mutlosigkeit prägen angesichts so vieler humanitärer Katastrophenberichte. NUR: Wenn ich den Mut verliere, stehe ich immer auch in der Gefahr, die Hoffnung aufzugeben. Hoffnung ist aber nicht gleich Optimismus, also die Sicht, dass es gut ausgeht. Der Zustand unserer Welt an so vielen Orten gibt derzeit wenig Anlass zum Optimismus. Aber das braucht nicht die Hoffnung zu schwächen. Denn Hoffnung ist im Kern die Gewissheit, dass mein Engagement und mein Aufstehen Sinn haben, egal wie es ausgeht. 

Zu hoffen bedeutet doch ein „Dennoch“ im Blick zu halten: die Dinge zu tun, die jetzt getan werden müssen, weil sie jetzt notwendig sind und Not wendend. „Wir sind nicht geboren, um zu verzweifeln. Wir sind geboren, um zu handeln; Brandherde zu löschen; Frieden zu stiften. Dazu lädt uns unser Glaube ein. Der Glaube befähigt zum Handeln. Dem Namen Gottes, der im Tun Jesu aufleuchtet, Raum zu geben, ist auch eine Zumutung! Denn das geschieht nicht neben der Welt, sondern mitten in ihr. Mitten im Chaos. Mitten im Leid. Mitten in unseren Städten. Mitten in unseren Familien.“ (Bischof Heiner Wilmer im Abschlussgottesdienst des Katholikentags am 17.5.2026)

Ich fühlte mich in Würzburg durch viele Begegnungen ermutigt, nicht aufzuhören damit, lernen und verstehen zu wollen, wie gerechter Frieden werden kann in Zeiten von Unfrieden und Krieg - und was es an Friedenstüchtigkeit braucht. Angesichts eines „Planeten in Flammen“ schließe ich mich Bewegungen und Initiativen an, die ein deutliches „Nein“ zu Krieg und ein „Ja“ zu Frieden sprechen. Papst Franziskus war überzeugt, aller Kriegstreiberei und der Idee einer „Abschreckung durch Angst“ eine Absage erteilen zu müssen. Im Juni 2023 sagte er z.B.: „Krieg ist eine Täuschung, Krieg ist immer eine Niederlage. Um einen dauerhaften Frieden zu sichern, müssen wir zur Anerkennung unserer gemeinsamen Menschlichkeit zurückkehren und die Geschwisterlichkeit in den Mittelpunkt des Lebens stellen. Nur so ist ein Modell des Zusammenlebens zu entwickeln, das der Menschheitsfamilie eine Zukunft gibt.“ – Papst Leo schließt sich hier aktuell immer wieder an, wenn er von einem „unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“ spricht, für den wir uns einzusetzen haben. 

Wie kann das gehen? Was braucht es, um mehr friedenstüchtig zu werden? Drei Dinge möchte ich heute anmerken.

Ein Erstes: Mir sind die unfassbar hohen Zahlen von getöteten Menschen vor Augen – in der Ukraine, in Israel-Palästina, in Gaza, im Libanon, im Sudan, im Iran. Sie berühren mich. Täglich werde ich durch die Nachrichten neu ein Zeuge. Man kann nicht über diese Kriege sprechen, ohne an diese Getöteten zu erinnern, auch an die vielen Verwundeten und Traumatisierten, an die vielen Zerstörungen. Wir kommen an diesen verlorenen und verwundeten Leben nicht vorbei. Wir haben diese Opfer zu vergegenwärtigen. Entscheidend ist zu fragen: Welchen Stimmen schenken wir unsere Aufmerksamkeit. Haben wir ein Ohr für die konkret Betroffenen vor Ort? Ich nehme wahr, dass sie eigentlich nur eines wollen: Das Töten soll aufhören! 

Ein Zweites: Das Herzstück der biblischen Botschaft ist die Glaubensüberzeugung von der gottgegebenen Würde jedes Menschen - überall auf der Welt. Dieser Zuspruch ist es, der sagen lässt: Krieg darf „um Gottes Willen“ nicht sein. Denn Krieg ist immer Verletzung der Menschenwürde, bedeutet immer Tod, Zerstörung, Brutalität, Verbrechen, Mord und über Generationen hinweg wirkende Traumatisierung. Dieser Zuspruch der Würde beinhaltet doch im Kern den Anspruch, Konflikte nicht durch Gewalt und Krieg zu lösen zu suchen. Er stellt letztlich vor die Aufgabe, sich einer Kultur der Aktiven Gewaltfreiheit zu verschreiben und die Geschwisterschaft aller Menschen immer wieder zu erinnern. Hier können und müssen die Kirchen weltweit eine entscheidende Rolle spielen. Sie sind hervorragend vernetzt. Sie können sich gegenseitig auf ihr Bekenntnis ansprechen. Eine solche Überzeugung findet sich letztlich in allen Religionen. Sie bedeutet: Ehrfurcht vor allem Leben, weil jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist. 

Und daraus folgt für mich – drittens – ein Perspektivwechsel. Das ist die Inspiration zu einer Haltung, die besagt: Ich weigere mich, Feind zu sein und andere als Feinde anzusehen.   

Ein Gebet – Ermutigung zu einem nächsten Schritt
Lebendige heilige Geistkraft:
Komme in meine Atemlosigkeit.
In mein Müde- und Gelähmtsein.
In die Unruhe meines Herzens.
In die Stummheit meiner Sprache.
In die Fragwürdigkeit meines Lebens.
In die Enge meines Denkens.
In die Sehnsucht nach einem gelingenden Leben.

Lass mich die Geister prüfen,
auch die, die mich zwischendurch plagen,
weil ich sie gerufen habe.
Lass mich kritisch sein und wach und aufmerksam.
Lass mich dem Zeitgeist nicht erliegen,
auch nicht der Geistlosigkeit,
mit der Teile unserer Gesellschaft und der Politik mich zu füttern suchen.
Hauche mich an – 
Und dann ermutige mich zu einem nächsten Schritt. 

Ein Segenswort
Geht in der Kraft, die euch gegeben ist,
Steht auf und geht einfach, bleibt bewegt, geht mit Zuversicht,
in vielem, trotz vielem, vielem zum Trotz, 
und haltet Ausschau nach Liebe, Frieden und Gerechtigkeit
und Gottes Geistkraft geleite Euch - immer! Amen.

Zum Schluss: Pfingst-„Wünsche“ – von Kurt Marti
Ach, dass ich, wenn’s drauf ankommt 
im Gegner den Bruder 
im Störer den Beleber 
im Unangenehmen den Bedürftigen 
im Süchtigen den Sehnsüchtigen 
im Säufer den Beter 
im Prahlhans den einst Gedemütigten 
im heute Feigen, den morgen Mutigen 
im Schwarzmaler den Licht- und Farbenhungrigen
im Gehemmten den heimlich Leidenschaftlichen
erkennen könnte!

Leicht ist das nicht.
Es bräuchte, o Gott, die Gegenwart Deines Geistes!
Und wie schaffe ich, der Ängstliche, es,
im Lauten den Leisetreter
im Arroganten den Angsthasen,
im Behaupter den Ignoranten,
im Auftrumpfer den Anpasser
zu entlarven?
Auch das, auch das gehört zur Liebe, wie Jesus sie lebte.

Aus: Kurt Marti, Der Heilige Geist ist keine Zimmerlinde, Stuttgart 2001, 144